Deutscher Rheumapreis 2019 – AufRheumen im Beruf

Mouni

Mouni

Chronisch krank zu sein oder urplötzlich eine Diagnose zu erhalten, die eben einfach schlicht: „chronisch krank“ bedeutet, ist hart. Ich kenne es sehr gut und habe dem auch ins Auge geblickt, als bei mir damals rheumatoide Arthritis diagnostiziert wurde.

Die Welt gerät aus den Fugen. Ängste tauchen auf und wachsen – vor allem nachts. Was soll aus mir werden?

Vor allem wenn Du mitten im Berufsleben stehst, stellt sich die Frage wie soll es weitergehen? Kann ich meine Arbeit in Zukunft noch machen? Bin ich weiter unabhängig? Wie ist es mit der finanziellen Absicherung?

Diese Fragen sind existenziell und das zu Recht.

Denn die Wahrscheinlichkeit aufgrund einer rheumatischen Erkrankung innerhalb von 5 Jahren nicht mehr weiterarbeiten zu können liegt bei 50%.

Eins ist klar: die meisten Menschen, die von einer chronischen Erkrankung betroffen sind wollen weiterarbeiten. Und falls sie dies nicht wünschen, haben sie triftige Gründe dafür.

Welchen Stellenwert hat eigentlich Arbeit?

  • Wir sichern damit unseren Lebensunterhalt. Absolut wichtig!
  • Wir haben über unsere Arbeit wichtige soziale Kontakte.
  • Wir werden gefordert und haben Aufgaben.
  • Wir erhalten Wertschätzung und Anerkennung.
  • Wir werden gebraucht.

Und: Rheuma wird nicht unbedingt besser, wenn wir nur zu Hause auf dem Sofa liegen. Es ist nämlich leider kein Fieber, was durch Bettruhe auskuriert werden könnte. Und: Die meisten Menschen mit Rheuma möchten weiterarbeiten, nur gern unter anderen Bedingungen.

Die Vorurteile gegenüber Menschen die Rheuma haben, sind groß.

  • Chronisch kranke Menschen sind nicht belastbar.
  • Chronisch kranke Menschen kommen immer zu spät.
  • Chronisch kranke Menschen haben viele Fehlzeiten.
  • Und wir müssen deren Arbeit mit machen.

Ja, das könnte so sein, aber es muss so nicht unbedingt so sein. Denn, wenn Dein Arbeitgeber und Deine KollegInnen Bescheid wissen und ihr gemeinsam nach sinnvollen Lösungen schaut, muss es gar nicht zu einem Desaster kommen.  

Die Fragen, die sich stellen sind:  

  • Welche speziellen Bedürfnisse der erkrankten Kollegin oder des Kollegen müssen erfüllt sein, damit sie/er weiterhin berufstätig sein kann?
  • Wie können wir den Arbeitsplatz so gestalten, dass es für den betroffenen Menschen möglich ist, weiterzuarbeiten und den Betrieb weiterhin vom ihrem oder seinem Know How und Engagement profitieren zu lassen?
  • Und wo können sich Arbeitgeber und -nehmer Unterstützung holen und sich beraten lassen?

Und hier kommen wir zu der Initiative Deutscher Rheumapreis 2019

Um Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu sensibilisieren und Menschen, die chronisch an Rheuma erkrankt sind nicht hinten runter fallen zulassen, wurde 2010 die Initiative „AufRheumen im Beruf“ ins Leben gerufen. Es wird jährlich ein Preis vergeben an Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Der Deutsche Rheumapreis prämiert Projekte und Konzepte, die es Menschen mit Rheuma ermöglicht haben, berufstätig zu bleiben.

Öffentlich gewürdigt werden Personen und Unternehmen mit Vorbildcharakter. Der RheumaPreis für partnerschaftliche Lösungen wird gemeinsam an den Arbeitnehmer und den Arbeitgeber verliehen. Diese Beispiele werden einer größeren Öffentlichkeit bekannt gemacht, um anderen Menschen mit Rheuma und ihren Arbeitgebern Mut zu machen und ihnen Anregungen zu geben.

Eine unabhängige Jury aus Medizinern, Experten für die berufliche Integration, Arbeitsmedizinern und Patientenvertretern bewertet die Einsendungen.

Durch dieses großartige Projekt hat sich in der Arbeitswelt einiges getan. Die Arbeitgeber sind deutlich offener geworden und unterstützen ihre ArbeitnehmerInnen mit Rheuma zunehmend. Das ist eine wirklich erfreuliche Entwicklung!

In diesem Jahr wurden 3 Frauen und deren Arbeitgeber ausgezeichnet. Alle drei Frauen hatten den Mut das Gespräch mit ihrem Arbeitgeber zu suchen.

So erzählte eine der Gewinnerinnen des diesjährigen Rheumapreises, dass ihre Kolleginnen Bescheid wissen und, dass es Tage gibt an denen sie einfach langsam machen muss. Ihr wird sehr viel Verständnis entgegengebracht. Und sie kommt an solchen Tagen später zur Arbeit mit dem Einverständnis ihres Arbeitgebers und mit großem Verständnis und der Hilfsbereitschaft ihrer KollegInnen.

Das bedeutet nicht, dass die Arbeit liegen bleibt, so beschreibt sie es, meist holt sie es am Nachmittag wieder auf, wenn es ihr wieder besser geht. Sie hat auch den Freiraum bekommen, einen Teil ihrer Arbeit im Home-Office zu erledigen, was ihr noch mehr Entspannung gebracht hat. Noch dazu wurde ihr Arbeitsplatz ganz konkret ihren körperlichen Bedürfnissen angepasst. So wurden spezielle Veränderungen an Schreibtisch und Stuhl vorgenommen, es soll lustig aussehen – berichtete sie, aber sie kann viel besser daran sitzen und schreiben. Sie hat Morbus Bechterew.

Eine der Gewinnerinnen kam sogar mit Krücken zum Vorstellungsgespräch und hat ihre Krankheit sofort im Bewerbungsgespräch angesprochen. Es war durch die Krücken natürlich auch schon sehr offensichtlich ..:-) Doch das hat den Arbeitgeber, in diesem Falle die Universität Hamburg, nicht abgeschreckt. Sie passte so gut auf das Bewerberprofil, dass der Arbeitgeber sie gern eingestellte. Auch hier wurde geschaut, wie man der Bewerberin den Arbeitplatz und die Arbeitszeiten so gestaltet, dass sie trotz körperlicher Einschränkungen ihre Arbeit machen kann.

Jetzt bist Du bestimmt schon ganz neugierig und möchtest Dich vielleicht auch bewerben für 2020! Das ist auch eine tolle Sache. Dieser Preis wird mit 3000 Euro dotiert. Du kannst es gewinnen für Dich allein oder, wenn das Team in dem Du arbeitest tatkräftig mitarbeitet, gewinnt ihr die 3000 Euro im Team. Wann es los geht mit den Bewerbungen erfährst Du auf meiner Website und durch meinen Newsletter.

Doch noch einmal zurück zum Thema:

Anpassung an den Arbeitsplatz – was könnte dies bedeuten?

  • es kann bedeuten, dass Du einen anderen Schreibtisch und Stuhl bekommst, der sich Deinem Körper besser anpasst zum Beispiel bei Morbus Bechterew, Rheumatoider Arthritis oder Arthrose.
  • es kann bedeuten, dass du innerhalb des Betriebes eine andere Tätigkeit machen kannst, die dich weniger belastet.
  • es kann bedeuten, dass du einfach Stunden reduzierst, wenn du das möchtest – z.B. von einer 40 Stundenstelle auf eine 30 oder 20 Stundenstelle.
  • es kann bedeuten, dass Du die Möglichkeit bekommst eine Umschulung zu machen innerhalb des Betriebes
  • es kann bedeuten, dass Du ernorme Unterstützung bekommst von dem Team in dem Du arbeitest.

Falls Du in einem großen Betrieb arbeitest hast Du Glück:

In großen Betrieben gibt es meist ein Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM), die für das Gesundheitsmanagement im Betrieb zuständig sind. Hier findest Du Ansprechpartner denen Du sagen kannst, wie es Dir geht und was Du brauchst. Sie sind das Verbindungsglied zwischen dem Arbeitgeber und Dir. Wenn es so eine Anlaufstelle in deinem Betrieb gibt nutze sie unbedingt, denn es beweist, dass Du mit Deinem Arbeitgeber reden kannst.

Falls es eine BEM nicht gibt, kannst Du Dich auch Dich an Integrations-Fachdienste wenden. (Den Link dafür findest Du am Ende des Artikels) Diese beraten Arbeitgeber und ArbeitnehmerInnen  darin, Wege zu finden, die Berufsfähigkeit zu erhalten.

Die Preisverleihung in Dresden beim 47. Deutschen Rheumakongress.

Ich war bei der Preisverleihung in Dresden dabei! Und ich bin begeistert von dieser Initiative und von dieser schönen wertschätzenden Veranstaltung. Der Rheumatologe Dr. Michael Schneider aus Düsseldorf hat eine sehr bewegende Ansprache gehalten und durch das Programm geführt.

Die Gewinnerinnen haben mich unglaublich beeindruckt. Alles Kämpferinnen, die unbedingt weiterarbeiten wollen, weil sie für sich keinen Sinn darin sehen, jetzt nur noch zu Hause zu bleiben. 

Die Firmen, die in diesem Jahr gewonnen haben – gemeinsam mit ihren Arbeitnehmerinnen – sind Mercedes Benz, Kreis Herford und die Universität Hamburg. Alle Arbeitgeber waren mit auf der Veranstaltung und haben sich sehr wertschätzend über ihre Mitarbeiterinnen geäußert und zum Ausdruck gebracht, dass sie gern alles tun, um ihre Mitarbeiterinnen zu halten, da sie tolle Arbeit leisten und es für den Betrieb ein großer Verlust wäre, wenn sie nicht da wären.

Nur wer offen über seine Einschränkungen spricht, kann Unterstützung erfahren – auch vom Arbeitgeber. Das Offenheit nicht immer möglich ist kann ich im Moment nur vermuten. Ich selbst bin in der Zeit als es mir noch sehr schlecht ging, immer offen damit umgegangen und habe es sogar schon im Vorstellungsgespräch erzählt. Interessanterweise war es nie ein Problem. Es waren durchweg kleine Firmen in denen ich gearbeitet habe.

Angst den Arbeitsplatz zu verlieren.

Dass wir Angst haben müssen unsere Arbeit zu verlieren, weil wir chronisch erkrankt sind, dass wir nur noch 64% unseres Gehaltes bekommen, das sogenannte Krankengeld, wenn wir länger als 6 Wochen krank sind, finde ich persönlich schrecklich. Deshalb schweigen viele und quälen sich zur Arbeit und versuchen, ihr Unwohlsein, ihre Schmerzen zu verstecken. Wie anstrengend so etwas ist, können wir uns gut vorstellen. Ganz ehrlich: Da könnte ich weinen und zwar sofort.

Chronische Erkrankung im Bewerbungsgespräch offen besprechen?

Grundsätzlich musst Du es deinem Arbeitgeber nicht sagen, dass Du Rheuma oder eine andere chronische Erkrankung hast. Du darfst es verschweigen und sogar lügen. Du kannst deswegen noch nicht mal gekündigt werden, wenn es rauskommt.  Genau gesagt: Du brauchst eine allgemein gestellte Frage nach chronischen Erkrankungen im Vorstellungsgespräch nicht zu beantworten. Nur wenn der Arbeitgeber einen berechtigten Grund hat danach zu fragen, z. B., wenn die Krankheit so schwerwiegend ist, dass der Arbeitnehmer seine vertraglich geschuldete Arbeitsleistung gar nicht erbringen kann oder wenn eine Ansteckungsgefahr und damit ein Gesundheitsrisiko für Kollegen oder Dritte besteht, bist Du verpflichtet es zu sagen.

Nun bin ich sehr neugierig. Wie machst Du es? Erzählst Du es Deinem Arbeitgeber? Wie gehst Du damit um? Wissen es Deine KollegInnen? Oder ist es bei Dir gar nicht erforderlich, weil es Dir im Großen und Ganzen gut geht?

Hier findest Du noch spannende Links: Literatur für Arbeitnehmer und ein Erfahrungsbericht einer Gewinnerin und noch ein Erfahrungsbericht direkt aus dem Arbeitsleben einer Gewinnerin und Integrationsfachdienste und alle Infos zum Deutschen Rheumapreis

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Ⓒ Anke Mouni Meyer, Eat & Move Hamburg 2019

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